Über molekulare Tänze, G-Proteine und Freundschaft

Keynote und Roundtable mit dem Nobelpreisträger und Einstein BIH Visiting Fellow Brian Kobilka

Keiner der 200 Sitze blieb am 11. Juli 2018 leer, als Brian Kobilka, der 2012 den Nobelpreis für Chemie erhielt, seine Vorlesung über G-Protein-gekoppelte-Rezeptoren (GPCRs) in der historischen Atmosphäre des Leibniz-Saals in der Berlin-Brandenburger Akademie der Wissenschaften hielt. Eröffnet wurde die Konferenz von Professor Peter Hildebrand, das Grußwort des Vorstands der Einstein Stiftung sprach daraufhin Professorin Ursula-Friederike Habenicht, welche ebenfalls die Stiftung und ihre Programme vorstellte. Die Veranstaltung war der Auftakt des „Early Career Scientist Forum on GPCR Signal Transduction”, welches die Charité – Universitätsmedizin Berlin ausrichtete. Viele junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, aber auch andere Interessierte, nutzten die Möglichkeit, um von Brian Kobilka über dessen neuesten Erkenntnisse über GPCR-Signalübertragung und über mögliche medizinische Anwendungen zu hören.

Worum aber geht es eigentlich bei der GPCR-Signalübertragung? G-Protein-gekoppelte-Rezeptoren verrichten den Großteil der Antworten der Zellen auf Hormone und Neurotransmitter und dienen als wichtige Vermittler beim Hör-, Seh- und Geschmackssinn. Etwa die Hälfte aller momentan verfügbaren Medikamente wirken über diese Rezeptoren. Kobilka, der zurzeit eine Professur für Medizin sowie Molekulare und Zelluläre Physiologie an der Stanford Universität innehat, erhielt 2017 die von der Stiftung Charité finanzierte Förderung als Einstein BIH Visiting Fellow. Seine Arbeitsgruppe am Berliner Institut für Gesundheitsforschung (BIH) arbeitet eng mit dem Labor von Peter Hildebrand der Charité Universitätsmedizin am Einstein Center Digital Future (ECDF) zusammen.

Zusammen mit seinem Forschungskollegen Roger Sunahara, Professor für Pharmakologie an der University of California in San Diego, betonte Kobilka die Wichtigkeit von Forschungskollaborationen als Erfolgsfaktor für wissenschaftlichen Fortschritt. Sunahara, der seit vielen Jahre mit Kobilka kooperiert und selbst über eine bedeutsame Expertise im Bereich GPCR-Strukturen und -Funktionen verfügt, erklärte, dass er sehr glücklich darüber sei, nicht nur mit einem herausragenden Wissenschaftler, sondern auch dem guten Freund, den er in Kobilka gewonnen hat, zusammenzuarbeiten.

Im Anschluss an die Keynote der “Meeting Einstein”-Veranstaltung folgte ein Roundtable, den die Nachwuchswissenschaftler Johanna Tiemann von der Universität Leipzig und Alexander Hauser von der Universität Kopenhagen organisierten. Neben Kobilka und Sunahara nahmen außerdem Klaus Peter Hofmann von der Charité und Maria Waldhoer der InterAx Biotech AG an der Podiumsdiskussion teil. Dort teilte Brian Kobilka seine Ansicht, dass G-Protein-gekoppelte Rezeptoren auch in der Zukunft noch einige Wissenschaftler beschäftigen werden: „Ich finde es faszinierend, dass mit jeder neuen Erkenntnis über diese Rezeptoren gleichzeitig immer klarer wird, wie lange es noch dauern wird, ehe wir sie wirklich verstehen. Ich bin überzeugt, dass Wissenschaftler noch viele Jahre lang immer wieder neue Fragen über GPCRs stellen und beantworten werden.“

Die Einstein Stiftung und ihre Partner sind sehr dankbar für die spannende und gelungene Vorlesung sowie die darauffolgende, inspirierende Diskussion. Wir sind gespannt auf neue Entdeckungen in der Forschung über G-Protein-gekoppelte-Rezeptoren.

Das Einstein BIH Visiting Fellows-Programm hat zum Ziel, das internationale Profil des Berliner Instituts für Gesundheitsforschung zu stärken, indem führende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem Ausland für eine längerfristige Forschungskollaboration gewonnen werden. Das Programm wird von der Stiftung Charité finanziert.

Einstein Stiftung/Sebastian Gabsch

Foto: L.A. Cicero

Über molekulare Tänze, G-Proteine und Freundschaft
Prof. Dr. Brian Kobilka

Förderprogramm

Einstein BIH Visiting Fellows

Förderzeitraum

2017 bis 2019

Vorhaben

In silico GPCR: Ein Computermikroskop zur Bestimmung der Spezifizität und funktionellen Selektivität der G-Protein-Rezeptor-Bindung

Fachgebiete

Bioinformatik, Biophysik

Institution

Charité – Universitätsmedizin Berlin und Stanford University

 

2012

Erhalt des Nobelpreises für Chemie

Seit 2000

Professur für Medizin und Molekulare und Zelluläre Physiologie an der Stanford University of Medicine, Stanford, USA

1988 bis 1989

Assistant Professor am Duke University Medical Center, North Carolina, USA