Wunderschöne Bilder vom Herz

Leif-Christopher Engel arbeitet im Rahmen des BIH Charité Clinician Scientist-Programms als Kardiologe am Campus Benjamin Franklin der Charité und betreibt gleichzeitig wissenschaftliche Forschung. Über seinen Arbeitsalltag erzählt er hier auf FACES:

„Mein Schwerpunkt ist die Herzbildgebung. In einer Studie versuchen wir, herauszufinden, welche Patienten ein erhöhtes Risiko haben, einen Herzinfarkt zu bekommen. Wir haben ein Verfahren entwickelt, durch das man mittels einer Magnetresonanztomographie (MRT)-Untersuchung das Herz sowie eventuell gefährliche Ablagerungen in ihm, sogenannte Plugs, sichtbar machen kann. Das Besondere an dieser Untersuchung ist das spezielle Kontrastmittel, das erstmals von uns verwendet wird und genauere Bilder ermöglicht. Wir erhoffen uns, dass wir so Patienten schon frühzeitig mit dem MRT screenen und Gefahren erkennen können, bevor es überhaupt zu Beschwerden kommt. Für die Patienten hätte es außerdem den Vorteil, dass es für die Suche nach den gefährlichen Plugs eine harmlosere nicht-invasive Alternative zur Herzkatheteruntersuchung gäbe.

Eine Herzkatheteruntersuchung ist derzeit die gängige Diagnose- und Behandlungsmethode bei Verdacht auf eine Verengung der Herzgefäße. Man versucht dabei, eventuelle Engstellen zu entdecken und auszudehnen. Im Rahmen unserer Studie führen wir bei den Patienten kurz vor dem Eingriff zusätzlich ein MRT durch und vergleichen dann die Ergebnisse beider Untersuchungsmethoden, um zu sehen, ob das MRT die Plugs gleichermaßen sichtbar machen kann. Für die Patienten in der Studie heißt das, dass sie zusätzlich Zeit für ein MRT aufwenden, welches an sich harmlos ist.

Mir war immer wichtig, in der Medizin meine Nische zu finden – einen Bereich, den nicht viele bearbeiten und in dem ich mir ein Wissen aufbauen kann, das wahrscheinlich nicht sehr viele haben. Die Bildgebung hat mich dabei immer gereizt. Das geht zurück bis in mein Studium. Ich habe eine interessante Vorlesung gehört und dann eher zufällig meine Doktorarbeit bei einem Betreuer in diesem Themengebiet geschrieben. Ich hatte dann nach dem Studium das Glück, mich drei Jahre lang in den USA auf reiner Forschungsebene intensiv mit Röhrenuntersuchungen auseinander setzen zu können. So hat sich das Thema immer weiterentwickelt bis heute – und es hat weiterhin großes Potential. Wir haben alle zwei Wochen neue Ideen und versuchen, in der vorhandenen Zeit möglichst vielen davon nachzugehen.

Ob die Ergebnisse unsere Hypothesen bestätigen? Zweifel hat man immer, Wissenschaft ist Risiko. Die Daten, die wir bisher gewonnen haben, stimmen mich aber zuversichtlich. Wir haben unsere Ergebnisse auf einem großen kardiologischen Kongress präsentiert und gutes Feedback bekommen. Unsere Publikationen befinden sich derzeit im Bewertungsprozess hochwertiger medizinischer Journals. Dennoch gibt es noch viel zu tun: Die Daten, die wir jetzt haben, sind im Prinzip ein Nachweis der Machbarkeit dieser Methode. Der nächste Schritt wären dann Outcome-Studien, um zu überprüfen, wie sich die Patienten langfristig entwickeln.

Ich bin seit fast drei Jahren Clinician Scientist. Das Programm erlaubt es mir, als klinisch tätiger Arzt eine gesicherte Zeit zu haben, in der ich meine Forschungsprojekte vorantreiben kann. So etwas ist anderorts in Deutschland derzeit schwer möglich. Mein Klinikalltag sieht so aus, dass ich in der Regel immer blockweise abwechselnd Klinik und Forschung mache. Ich behandle dann einige Wochen Patienten oder betreibe Diagnostik. Anschließend widme ich mich meiner Forschung.

Wunderschöne Bilder vom Herz
Dr. Leif-Christopher Engel

Förderprogramm

BIH Charité Clinician Scientists

Förderzeitraum

2015 bis 2018

Vorhaben

Nicht-invasive Detektion Vulnerabler Plaques der Koronargefäße mittels molekularer, kardialer Magnetresonanztomographie

Fachgebiet

Kardiologie

Institution

Charité – Universitätsmedizin Berlin

 

Seit 2014

Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Assistenzarzt, Klinik für Kardiologie, Charité --  Universitätsmedizin Berlin

2012 bis 2014

Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Assistenzarzt, Klinik für Poliklinik für Innere Medizin, Universitätsspital Zürich, Schweiz

2009 bis 2012

Postdoktorand, Cardiac MR PET CT Programm, Massachusetts General Hospital and Harvard Medical School, Boston, MA, USA

Das Clinician Scientist-Programm hat sich für mich auf jeden Fall gelohnt. Die protektiven Forschungszeiten erlauben es, Forschung und Klinik miteinander zu verbinden. Wenn man nur forscht, kann man die Ergebnisse im Nachgang schwieriger auf die Patienten übertragen. Ich war bisher in drei verschiedenen Ländern medizinisch tätig und kann es daher relativ gut vergleichen.

In Deutschland ist es wirklich schwer, in der Klinik auch Zeit für Forschung eingeräumt zu bekommen. Aber gute Forschung ist wichtig, wenn man einen Standort entwickeln will – und den Standort zu entwickeln, muss das Ziel sein. Deutschland hat da Nachholbedarf. Aber das Berliner Programm ist genau der richtige Ansatzpunkt, weil hier den Leuten, die motiviert sind, Forschungszeit gegeben wird.“

 

September 2017/TO